Monte Rosa, Italien/Schweiz
Auf 4554 m, mit 58% verfügbarem Sauerstoff, steigt die wahrgenommene Anstrengung im Vergleich zum Meeresspiegel.
Die höchste Schutzhütte Europas ist ein titanisches Ziel, das sich waghalsig auf den Gipfel der Signalkuppe in 4554 Metern Höhe schmiegt. Eine monumentale Gletscherexkursion, die fast die Stratosphäre des Monte-Rosa-Massivs streift und eine körperliche wie mentale Grenzerfahrung schlechthin bietet – selbst für diejenigen, die nicht das extremste Felsklettern beherrschen.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Höhe | 4554 m ü.M. |
| Gebirgsgruppe | Monte Rosa |
| Schwierigkeit | L (Leicht) – alpiner Grad |
| Gesamthöhenunterschied | ~1300 m (ab Punta Indren, Seilbahn) |
| Aufstiegszeit | 2 Tage (mit Übernachtung) |
| Empfohlene Saison | Ende Juni – Anfang September |
| Ausgangspunkt | Alagna Valsesia (VC) oder Gressoney-la-Trinité (AO) |
| Gipfelhütte | Margheritahütte (CAI/SAC) |
Auf 4554 Metern hört der Spaß auf: Deine Lungen müssen sich mühsam mit 58 % des Sauerstoffs zufriedengeben, den sie aus dem Alltag kennen. Die Höhe ist hier der ebenso unbestrittene wie gnadenlose Gegner; deine Beine mögen aus Stahl sein, doch der Luftmangel drückt die Leistungsfähigkeit jedes Einzelnen ins Bodenlose. Gegen die Höhenkrankheit hilft kein falscher Heroismus: Eine vorbeugende Akklimatisierung ist der einzig gültige Freifahrtschein.
Die Taktik ist denkbar simpel, aber lebenswichtig. Eine Übernachtung auf Zwischenhöhen wie dem Rifugio Gnifetti (3611 m) oder der Mantova-Hütte ist eine moralische Pflicht gegenüber dem eigenen Körper. Wenn sich die Seilschaften in der morgendlichen Eiskälte gänsemarschartig über den Gletscher schieben, zwinge dich zu einer kraftvollen Bauchatmung: Passe das Ausatmen deinem Rhythmus an, presse die verbrauchte Luft mit Nachdruck heraus und atme tief ein, um das Blut mit rettenden Sauerstoffmolekülen zu fluten. Wenn lähmende Übelkeit oder hämmernde Kopfschmerzen einsetzen oder du wie betrunken zu schwanken beginnst, denke stets daran: Der Monte Rosa bleibt noch lange stehen. Und du musst schleunigst wieder nach unten.
Der Zustieg zu den Basishütten Ob man nun den schmerzlosen mechanisierten Aufstieg von Alagna (bis zur Punta Indren) oder die Route von Gressoney zum Passo dei Salati wählt, der erste Tag dient dazu, den eigenen Atem und die Entschlossenheit auf die Probe zu stellen. Von der Seilbahnstation aus geht es unweigerlich sogleich auf den sanft ansteigenden Gletscher oder über steil angelegte Felsstufen hinauf, bis man das Basislager im Rifugio Mantova oder im notorisch überlaufenen Rifugio Gnifetti (3611 m) aufschlägt – ein perfekter Logenplatz für den Angriff am nächsten Tag.
Im Bauch des Gletschers in Richtung der 4000er In der tieferen Nacht wird die Stille nur vom metallischen Kratzen der Steigeisen durchschnitten. Vom Gnifetti aus tritt man auf der harten Spur über den zerklüfteten Lys-Gletscher. Großen Eisschlünde weicht man im Zickzack aus, während man hartnäckig den Col del Lys ansteuert. Hat man die 4200-Meter-Marke überschritten, kommt das Ziel endlich in Sicht – doch es ist noch unendlich fern. Der von unzähligen Durchschreitungen tief in den Schnee gezogene Graben quert das ausgedehnte Hochplateau in die Länge, bevor schließlich der endlose, schier erstickende Schlusshang in Richtung Signalkuppe und der gleichnamigen Hütte ansetzt. Die Steigung ist nicht extrem, doch die gnadenlose Dünne der Luft fordert rhythmische Pausen ein, zählbar an den Paukenschlägen deines eigenen Herzrhythmus.
Man muss kein Extremkletterer sein: Das Gelände ist alpinistisch als "Leicht" (L) klassifiziert. Du befindest dich hier jedoch auf einem der gewaltigsten alpinen Gletscher überhaupt, und es ist absolut unabdingbar, über Trittsicherheit, die psychische Härte für über 8 Stunden Marsch in unmenschlicher Höhe sowie ein grundsolides Beherrschen von Pickel und Seilmanövern für den Fall eines brechenden Schneebrücken-Szenarios zu verfügen.
Jeder, der bereits Touren mit 1000/1200 positiven Höhenmetern in konstantem Rhythmus souverän absolviert hat, darf auf diesen Gipfel hoffen. Doch nur der vorab getätigte Vorstoß auf über dreitausend Meter trennt ein Erlebnis reiner, kontemplativer Freude von einer elendigen, übelkeitserregenden Odyssee.
| Ausgangsniveau | Vorbereitungszeit | Schlüsselphasen |
|---|---|---|
| Trainierter Bergwanderer | 2-4 Monate | Fokus auf lange Touren und strikte Akklimatisierung auf 3000-3500 Metern. |
| Erfahrener Alpinist | Wenige Wochen | Zwei Nächte auf mittlerer Höhe unmittelbar vor dem Gipfeltag, um den Organismus sicher einzustellen. |
Du bist auf ewigem Eis unterwegs. Wer hier oben in ultraleichter Trailrunning-Garderobe auftaucht, wird Gnade suchen. Der Wind, der oberhalb von 4200 Metern über den Grat peitscht, bläst mit gefrierender Heftigkeit.
Unverzichtbar:
Dringend empfohlen:
Juli und August sind die absoluten Königinnenmonate mit einer oft unbeschreiblichen Überfüllung, dafür aber auch mit extrem massiven Spuren ausgestattet. Gegen Ende September öffnen sich die Gletscher zusehends, und die Route wird weitaus diffiziler und technischer. In der Nebensaison zwingen die schon polaren Rahmenbedingungen zur allergrößten Umsicht. Die stetige Erkundigung nach den aktuellen Verhältnissen beim örtlichen Hüttenwirt sichert unverzichtbare Insiderinformationen über die nächtliche Schneehärte.
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