Himalaya, Nepal/Tibet (China)
Auf 8188 m, mit 34% verfügbarem Sauerstoff, steigt die wahrgenommene Anstrengung im Vergleich zum Meeresspiegel.
19. Oktober 1954. Herbert Tichy, Sepp Jöchler und Sirdar Pasang Dawa Lama stehen auf dem Gipfel des Cho Oyu — 8188 Meter, sechsthöchster Berg der Erde — ohne Zusatzsauerstoff. Eine leichte österreichische Expedition, fast improvisiert für Himalaya-Verhältnisse. Sie haben es geschafft. Der Cho Oyu war der fünfte jemals bestiegene Achttausender, vier Jahre nach der Annapurna und sechzehn Monate nach dem Everest. Am Gipfel enthält die Luft eben 34% des Sauerstoffs vom Meeresspiegel. Jeder Atemzug liefert etwa ein Drittel von dem, was du gerade einatmest.
Der Cho Oyu liegt auf der Grenze zwischen Nepal und Tibet (China), 20 km westlich des Everest. Der tibetische Name bedeutet Türkisgöttin. Er gilt als der zugänglichste Achttausender — nicht weil er einfach ist, sondern weil sein Normalweg über den Nordwestgrat von der tibetischen Seite aus verhältnismäßig moderates Gelände bietet. Bergsteiger wählen ihn oft als ersten Achtausender. Was sie dabei manchmal unterschätzen: 188 Höhenmeter dieses Weges liegen in der Todeszone.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Höhe | 8188 m ü. NN |
| Massiv | Himalaya, Grenze Nepal/Tibet (China) |
| Namensbedeutung | „Türkisgöttin" (Tibetisch) |
| Schwierigkeit | PD+ / D- — Normalweg auf Schnee/Eis mit Felspassage |
| Höhendifferenz vom Basislager | 3388 m (BL 4800 m → Gipfel) |
| Höhendifferenz vom Vorgeschobenen BL | 2538 m (VBL 5650 m → Gipfel) |
| Zeit ab Lager III | 5–8h (L3 7400 m → Gipfel) |
| Komplette Expedition | ~40–50 Tage |
| Beste Saison | September – Oktober (Postmonsun) |
| Ausgangspunkt | Chinesisches Basislager (4800 m) |
| Hochlager | VBL (5650 m), L1 (6400 m), L2 (7100 m), L3 (7400 m) |
| Erstbesteigung | 19. Oktober 1954 — Tichy, Jöchler, Pasang Dawa Lama (Österreich) |
Der Cho Oyu wird fast ausschließlich von der tibetischen Seite bestiegen. Der nepalesische Zugang ist technisch wesentlich anspruchsvoller. Die Standardlogistik führt von Kathmandu durch den tibetischen Grenzübergang zum Basislager per Geländewagen.
Basislager → Vorgeschobenes Basislager (VBL): Die Straße geht per Jeep bis etwa 5300 m weiter, dann Fußmarsch über Moränen. Das VBL auf 5650 m ist das eigentliche Expedition-Hauptquartier — sonnig, geräumig, für himalayische Verhältnisse komfortabel.
VBL → Lager I: Das technische Kernstück dieses Abschnitts ist eine 20–30 Meter hohe Eiswand an festen Seilen (ca. 55–65°). Danach öffnet sich ein geschützter Gletscherkessel, in dem Lager I auf 6400 m steht. Die Fixseile werden jede Saison von Fixseil-Teams neu gelegt.
Lager I → Lager II: Gemischtes Gelände aus Schnee und Fels, Hangneigung 25–40°. Akklimatisierungsrotationen bis L2 und zurück ins VBL gehören zum Standardprotokoll. Im L2 wird während der Rotationen nicht übernachtet.
Lager II → Gipfel: Lager III (7400 m) ist das letzte Lager vor dem Gipfelversuch. Start zwischen Mitternacht und 2 Uhr. Der technische Crux ist halt eine Felspassage von 20–30 m bei etwa 7500–7600 m, Mischgelände. Danach Schneehänge 30–40° bis zum breiten Gipfelplateau — der eigentliche Höchstpunkt liegt am gegenüberliegenden Ende des Plateaus.
Auf 8188 m liegt der Luftdruck bei etwa 356 hPa. Jeder Atemzug bringt nur 34% des Sauerstoffs vom Meeresspiegel. Die Todeszone beginnt bei 8000 m — der Cho Oyu liegt 188 Höhenmeter darin. Oberhalb dieser Grenze akklimatisiert sich der Körper nicht mehr. Er verschlechtert sich. Die typische SpO₂ am Gipfel mit Zusatzsauerstoff liegt bei 55–70%.
Das Standard-Akklimatisierungsprotokoll umfasst zwei bis drei Höhenrotationen vom VBL aus — Aufstiege zu L1 und L2, Rückkehr ins VBL — vor dem eigentlichen Gipfelversuch. Die Grundregel gilt auch hier: hoch gehen, tief schlafen. Schwere AMS-Symptome oberhalb von 6000 m — anhaltende Kopfschmerzen, Erbrechen, Ataxie, Verwirrtheit — sind ein medizinischer Notfall: sofortiger Abstieg, Sauerstoff wenn verfügbar.
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur zur Orientierung und ersetzen keinen Rat eines Höhenmedizin-Spezialisten.
Mindestvoraussetzung ist doch ein Siebentausender mit Übernachtungen oberhalb von 6500 m. Gletschergelände, Steigeisenmontage auf Steileis, Jumartechnik an Fixseilen — alles das muss sitzen, bevor du an den Cho Oyu denkst. Beste Saison: September–Oktober (Postmonsun). Budget für eine geführte Expedition: 15.000–35.000 USD.
Auf dem Gipfel des Cho Oyu (8188 m) stehen 34% des Sauerstoffs vom Meeresspiegel zur Verfügung. Der Luftdruck sinkt auf etwa 356 hPa. Jeder Atemzug liefert weniger als ein Drittel des gewohnten Sauerstoffs. Fast alle Bergsteiger nutzen Zusatzsauerstoff oberhalb von 7000 m.
September–Oktober ist die Hauptsaison. Der Postmonsun bringt stabile, vorhersehbare Wetterbedingungen. Oktober ist statistisch gesehen der beste Monat für einen Gipfelversuch. Das Frühjahr (April–Mai) ist möglich, aber weniger gebräuchlich auf diesem Berg.
Eine Standardexpedition dauert 40–50 Tage: Anreise über Tibet (5–7 Tage), Akklimatisierungsrotationen (20–30 Tage), Gipfelfenster (5–10 Tage), Abstieg und Rückreise. Einige Veranstalter bieten 28–30-tägige Expeditionen mit vorab durchgeführter Höhenakklimatisierung (Höhenzelt) an.
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