Dhaulagiri

Himalaya, Nepal

8167 m TD+/ED (Nordostgrat — Extrembergsteigen, Eis und Mixed bis 55°)6–10h (Lager IV → Gipfel); ~45–55 Tage (vollständige Expedition)
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Sauerstoffanalyse — Oximeter

34% KritischVerfügbarer Sauerstoff
50-65%Typische SpO₂ am Gipfel
ExtremAMS-Risiko
45empfohlene Tage

Sauerstoffvergleich

🌊 Meeresspiegel (0 m)100% O₂
🏔️ Dhaulagiri34% O₂
🌍 Everest (8.849 m)33% O₂

Erforderliche Vorbereitung

Hochgebirge / technisch

Auf 8167 m, mit 34% verfügbarem Sauerstoff, steigt die wahrgenommene Anstrengung im Vergleich zum Meeresspiegel.

Wie Sie sich vorbereiten

  • Gelegentliches Training: Diese Höhe erfordert Bergsteigerfahrung und spezifische Vorbereitung.
  • Regelmäßiges Training: Planen Sie mehrere Tage progressive Akklimatisierung auf mittleren Höhen.
  • Ausdauertraining: Fitness allein ersetzt keine Akklimatisierung in diesen Höhen.
  • Konsultieren Sie einen Bergmedizin-Spezialisten vor der Abreise.

Route und Weg

3417 m
Höhenunterschied
20 km
Gesamtstrecke
6–10h (Lager IV → Gipfel); ~45–55 Tage (vollständige Expedition)
Aufstiegszeit
April – Mai (Vormonsum)
Beste Jahreszeit

Bergführer

Dreißig Jahre lang galt der Dhaulagiri als höchster Berg der Welt. Das war falsch — aber der Irrtum sagt eben etwas über die schiere Masse und die Abgelegenheit dieses Eis- und Kalksteinkolosses im zentralen Nepal. Der Name stammt aus dem Sanskrit: dhawala (weiß, strahlend, schön) und giri (Berg). Der strahlend weiße Berg. Mit 8167 Metern ist er der siebthöchste Gipfel der Erde — und der höchste, der vollständig innerhalb der Grenzen eines einzigen Landes liegt.

Dort oben enthält die Luft 34% des Sauerstoffs vom Meeresniveau. Nicht die Hälfte — ein Drittel. Das ist halt die physiologische Realität, die jede ernsthafte Vorbereitung von Anfang an berücksichtigen muss. 1950 kam die legendäre französische Expedition unter Maurice Herzog hierher, suchte eine Route — und fand keine. Sie schwenkte auf die Annapurna um. Der Dhaulagiri hielt noch zehn Jahre stand: Am 13. Mai 1960 gelang schließlich die Erstbegehung durch ein schweizerisch-österreichisch-nepalesisches Team unter Max Eiselin. Kurt Diemberger war dabei — einer der wenigen Bergsteiger, die je an der Erstbesteigung von zwei Achttausendern teilgenommen haben.

Die historische Todesrate liegt bei über 16%. Kein anderer Berg verzeiht so wenig Unvorbereitetheit.

Steckbrief

MerkmalWert
Höhe8167 m ü. NHN
MassivDhaulagiri Himal, Nepal
Weltrangliste7. höchster Gipfel der Erde
Erstbesteigung13. Mai 1960 — K. Diemberger, E. Forrer, A. Schelbert, Nawang Dorje, Nyima Dorje
NormalrouteNordostgrat
SchwierigkeitTD+/ED — Eis und Mixed bis 55°
Höhenunterschied ab Basislager3417 m (BL 4750 m → Gipfel)
Geschätzte Distanz H/R~20 km ZU VERIFIZIEREN
Zeit ab Lager IV6–10h (LIV 7500 m → Gipfel)
Vollständige Expedition45–55 Tage
Beste JahreszeitApril – Mai (Vormonsum)
AusgangspunktDhaulagiri Basislager (4750 m)
HochlagerABC (5300 m), LI (5900 m), LII (6400 m), LIII (7200 m), LIV (7500 m)

Route (Nordostgrat)

Der Nordostgrat ist die Normalroute — dieselbe Linie wie bei der Erstbesteigung 1960, und noch immer die meistbegangene. Sie beginnt im Basislager auf 4750 m und steigt über die Nordostschulter durch fünf progressive Lager auf.

Vom Basislager führt die Route zunächst über den Nordostgletscher — Gletscherterrain mit Spalten. Das Advanced Base Camp (5300 m) ist der Ausgangspunkt für alle Akklimatisierungsrotationen. Die Serac-Zone darüber diktiert strikte Zeitfenster: Bewegung in den kalten Stunden, Ruhe am Nachmittag.

Ab Lager I (5900 m) wird es doch deutlich steiler. Fixseile ab hier. Die Passage LI→LII (5900→6400 m) ist die Kernstrecke der Rotationen. Danach folgt LIII (7200 m) — die längste und exponierteste Etappe: Oberhalb von 7000 m erholt sich der Körper nachts nicht mehr vollständig. Das ist eigentlich keine Metapher — das ist dokumentierte Physiologie.

Lager IV (7500 m) ist der Startpunkt für den Gipfelangriff. Aufbruch in der Nacht — meist zwischen Mitternacht und 2 Uhr, Querung über das große Eisfeld der Nordflanke, dann Anstieg zur Gipfelkante mit Passagen bis 55°.

Hinweis: Routendaten basieren auf Sekundärquellen (Wikipedia, SummitPost, ExplorersWeb). Bedingungen ändern sich von Saison zu Saison. Vor jeder Expedition zertifizierte Führer und aktuelle Quellen konsultieren.

Sauerstoff und Akklimatisierung

Auf 8167 m sinkt der Luftdruck auf rund 337 hPa — ein Drittel des Meerespegelwerts. Die Luft enthält weiterhin 20,9% Sauerstoff nach Volumen. Aber der Partialdruck dieses Sauerstoffs ist auf 34% reduziert. Die Lunge absorbiert kein Gas — sie absorbiert ein Druckgefälle. Weniger Druck, weniger Sauerstoff im Gewebe.

Typische Gipfel-SpO₂ mit Zusatzsauerstoff: 50–65% bei gut akklimatisierten Bergsteigern. Ohne Versorgung sind Werte unter 50% dokumentiert. Auf diesem Niveau sind HACE (Höhenhirnödem) und HAPE (Höhenlungenödem) keine abstrakten Risiken. HACE äußert sich durch Verwirrtheit, Ataxie, Doppeltsehen. HAPE durch Atemnot in Ruhe, trockenen Husten. Die Antwort auf beides: sofort absteigen.

Das Standardprotokoll für den Dhaulagiri umfasst mindestens 45 Tage mit progressiven Rotationen: BL→ABC, BL→LI, BL→LII, BL→LIII, dann Gipfelversuch von LIV aus. Zwischen den Rotationen Rückkehr ins Basislager zur aktiven Erholung. Grundsatz: Hoch gehen, tief schlafen.

Vorbereitung

Der Dhaulagiri ist kein Einsteiger-Achttausender — keiner ist das, aber dieser verlangt zwingend Vorerfahrung auf großer Höhe. Die Normalroute ist technisch gesehen nicht extrem, aber lang, exponiert und in einem logistischen Umfeld ohne Fehlertoleranz.

Mindestvoraussetzungen: solide Eis- und Mixterfahrung oberhalb von 6000 m, idealerweise mindestens ein bereits bestiegener 8000er (Cho Oyu oder Manaslu sind häufige Einstiegsberge). Sicherer Umgang mit Fixseilen, Jumar und Abseilgerät. Kenntnisse der AMS-Protokolle.

Ausrüstung: Daunenkombination getestet bis −40°C, starre 12-Zacken-Steigeisen, technischer Eispickel, Jumar-Klemmen, zertifiziertes Pulsoximeter (zwingend für SpO₂-Monitoring bei den Rotationen).

Wetter: Das Vormonsum-Fenster (April–Mai) ist das am häufigsten genutzte. Wettervorhersagen mit 3Summits oder Mountain Forecast verfolgen — allgemeine Wetter-Apps reichen auf diesen Höhen schlicht nicht aus.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Sauerstoff gibt es am Gipfel des Dhaulagiri?

Auf 8167 m beträgt der Sauerstoff-Partialdruck 34% des Meerespegelwerts. Auf 100 Atemzüge entfällt der Sauerstoffgehalt von 34 normalen Atemzügen. Fast alle Bergsteiger verwenden oberhalb von 7500 m Zusatzsauerstoff.

Wie lange dauert eine Dhaulagiri-Expedition?

Eine Standardexpedition dauert 45–55 Tage. Die ersten Wochen sind Akklimatisierungsrotationen gewidmet. Gipfelversuche finden im letzten Teil des günstigen Wetterfensters statt — meist Ende April oder Anfang Mai.

Was ist die größte Gefahr am Dhaulagiri?

Das Lawinenrisiko ist das am besten dokumentierte — die Seraczone an der Nordostflanke ist objektiv gefährlich. Die historische Todesrate übersteigt 16% aller Bergsteiger oberhalb des Basislagers. Nicht die reine Technik tötet: Es sind das prolongierte Ausgesetztsein auf extremer Höhe, plötzliche Stürme und der Abstieg nach dem Gipfel — wenn die Reserven erschöpft sind.

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