Solukhumbu, Sagarmatha-Nationalpark, Nepal
Auf 6189 m, mit 45% verfügbarem Sauerstoff, steigt die wahrgenommene Anstrengung im Vergleich zum Meeresspiegel.
Vom Dorf Dingboche auf 4410 Metern ragt der Island Peak wie eine Insel aus dem Gletschermeer. Den Namen fand Eric Shipton 1953 — er war in Nepal, um die erste Besteigung des Everest vorzubereiten, und ein Teil der Gruppe stieg hier zum Training auf. Am Gipfel, auf 6189 Metern, beträgt der verfügbare Sauerstoff 45% dessen, was du gerade einatmest. Das ist halt keine Wanderung. Es ist eine technische Bergtour — aber eben auch jene Schwelle, die Hunderte Alpinisten jedes Jahr wählen, um zu verstehen, was es wirklich bedeutet, über 6000 Meter zu stehen.
Der offizielle Name lautet Imja Tse, vergeben 1983 von der Nepal Mountaineering Association. Im Feld nennt ihn niemand so. Er bleibt Island Peak.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Höhe | 6189 m ü. M. |
| Offizieller Name | Imja Tse |
| Gebirge | Himalaya — Solukhumbu, Sagarmatha-Nationalpark, Nepal |
| Schwierigkeit | AD− — Gletscher, Eiswand mit Fixseilen |
| Höhenunterschied ab Basislager | 1102 m (BL 5087 m → Gipfel 6189 m) |
| Aufstiegszeit | 6–9h (Basislager → Gipfel) |
| Ausgangspunkt | Pareshaya Gyab / Basislager (5087 m) |
| Hochlager (optional) | ~5600 m |
| Sauerstoff am Gipfel | 45% des Meeresspiegels |
| Typische Gipfel-SpO₂ | 72–80% (akklimatisierte Bergsteiger) |
| Genehmigung erforderlich | Ja — Nepal Mountaineering Association |
| Erstbesteigung (Hauptgipfel) | 1956 — Hans-Rudolf Von Gunten + 2 Sherpas (Schweizer Expedition) |
Der Zustieg ist kein Beiwerk. Man fliegt nach Lukla (2860 m), dann marschiert man 8–10 Tage lang durchs Khumbu-Tal bis nach Chhukung (4730 m). Jeder Wandertag ist Akklimatisation — Namche Bazaar, Tengboche, Dingboche. Dort geschieht eigentlich die wichtigste Arbeit, bevor man die Technik braucht.
4730 m → 5087 m | Höhenunterschied: +357 m | Zeit: 3–4h
Südwärts über Moränen und Gletscherseen. Kein technisches Terrain, aber rau und bereits dünn die Luft. Das Basislager (Pareshaya Gyab) liegt auf einer flachen Felsplattform. Standardplan: nachmittags ankommen, ruhen, um 2 Uhr nachts aufbrechen.
5087 m → ~5700 m | Höhenunterschied: +613 m | Zeit: 3–4h
Die ersten 600 Meter führen über Moräne und Firn. Am Crampon Point werden Steigeisen angelegt — ab hier Eis. Wer das Hochlager (~5600 m) nutzt, kürzt diese Etappe ab.
~5700 m → 6189 m | Höhenunterschied: +489 m | Zeit: 3–5h
Jetzt wird es ernst. Am Gletscher geht es mit Fixseilen zur Headwall — knapp 100 Meter Eis, bis zu 60° steil. Jumar raus. Oben wartet eine tiefe Gletscherspalte; seit 2009 führt eine feste Aluminiumleiter darüber. Am Gipfelgrat öffnet sich der Blick auf den Everest, 10 km entfernt — halb verdeckt von der Lhotse-Wand, die 2300 m höher aufragt.
Auf 6189 m fällt der Luftdruck auf rund 465 hPa. Jeder Atemzug liefert 45% des Sauerstoffs der Meereshöhe. Keine Todeszone wie bei den 8000ern — aber doch genug, damit alles langsamer wird: Gedanken, Bewegungen, Entscheidungen.
Die gute Nachricht: Island Peak wird fast immer ohne Zusatzsauerstoff bestiegen. Gut akklimatisierte Bergsteiger — nach 10–14 Tagen progressivem Khumbu-Trek — messen am Gipfel typischerweise eine SpO₂ von 72–80%. Auf dem Papier kein schöner Wert. Im Gelände, mit solider Akklimatisation, ist er doch ausreichend zum Aufsteigen, Denken und sicheren Absteigen.
Der eigentliche Risikofaktor ist nicht die extreme Höhe. Er ist die unzureichende Akklimatisation. Ruhepuls kann in den ersten 48 Stunden auf neuer Höhe um 10–20 Schläge steigen — normal. Was nicht normal ist: Kopfschmerzen, die schlimmer werden, Übelkeit, Koordinationsverlust. Ataxie und Verwirrung auf dieser Höhe bedeuten eines: absteigen, sofort.
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen nicht die Beratung durch einen Höhenmedizin-Spezialisten.
Island Peak ist keine Extremtour. Eine Wanderung ist es auch nicht. Man muss auf Eis mit Steigeisen gehen können, den Eispickel beherrschen, Jumar an Fixseilen bedienen. Die meisten Unfälle passieren an der Headwall oder beim Überqueren der Spalte — vermeidbar mit Basistechnik und dem richtigen Führer.
Voraussetzungen: gute Ausdauer (wochenlang auf Höhe unterwegs), sicherer Umgang mit Steigeisen und Eispickel, kein Freiklettern nötig. Ein lokaler Bergführer ist nach NMA-Vorschrift Pflicht.
Wesentliche Ausrüstung:
Saison: Frühling (März–Mai) und Herbst (Oktober–November). Im Sommer macht der Monsun jede Besteigung gefährlich. Oktober ist die beliebteste Zeit: stabiles Wetter, beste Sicht, gesetzter Schnee.
Am Gipfel des Island Peak / Imja Tse auf 6189 m beträgt der verfügbare Sauerstoff 45% des Meeresspiegels. Der Luftdruck sinkt auf etwa 465 hPa gegenüber 1013 hPa auf Meereshöhe. Fast alle Bergsteiger erreichen den Gipfel ohne Zusatzsauerstoff.
Mit den richtigen Grundlagen: ja. Es ist Nepals zugänglichster technischer Gipfel — aber zugänglich bedeutet nicht risikofrei. Man muss Steigeisen, Eispickel und Jumar an Fixseilen beherrschen. Keine Erfahrung mit Steigeisen? Noch nicht bereit. Trekkings auf Höhe gemacht und bereit für echtes Eis? Dann genau hier.
Ja — und diese Kombination ist eine der häufigsten in der Region. Der EBC-Trek führt durch Dingboche und Chhukung, beide in der Nähe des Island Peak Basislagers. Die für den EBC (5364 m) aufgebaute Akklimatisation ist nahezu perfekte Vorbereitung für Island Peak.
Ja. Die Nepal Mountaineering Association schreibt es vor. Jenseits der Vorschrift ist es unverzichtbar: Headwall und Spaltüberquerung erfordern Fixseilmanagement, das ein erfahrener Führer anlegt und überwacht.
Geben Sie Ihre E-Mail ein und erhalten Sie sofortigen Zugang + PDF-Download
Mit einem Kauf über diese Links unterstützt du Oxymeter ohne Mehrkosten — danke! Als Amazon-Partner verdient Oxymeter an qualifizierten Verkäufen.
Richtliste. Passen Sie die Ausrüstung an Wetterbedingungen und Erfahrungsstand an.
War Oxymeter hilfreich für dich?
Hinter Oxymeter steht eine einzige Person: Server, Daten und Arbeitsstunden sind komplett selbstfinanziert — und alles bleibt kostenlos und werbefrei. Wenn du helfen möchtest, kannst du uns einen Kaffee spendieren.
Spendier uns einen KaffeeAuch eine kleine Geste macht einen großen Unterschied. Danke!
Öffne die Seite für aktuelle Ausrüstungslinks: https://www.oxymeter.it/de/vetta/island-peak/
Die Informationen auf dieser Seite wurden aus den folgenden Quellen verifiziert
Berechne dein Höhenkrankheitsrisiko
7 Fragen — AMS-Risikoeinschätzung nach WMS-Leitlinien