K2

Karakorum, Pakistan/China

8611 m ED+ (Extremes Bergsteigen, der technisch anspruchsvollste Normalweg aller Achttausender)7–12h (Lager IV → Gipfel); ~60 Tage (vollständige Expedition)
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Sauerstoffanalyse — Oximeter

32% KritischVerfügbarer Sauerstoff
50-65%Typische SpO₂ am Gipfel
ExtremAMS-Risiko
45empfohlene Tage

Sauerstoffvergleich

🌊 Meeresspiegel (0 m)100% O₂
🏔️ K232% O₂
🌍 Everest (8.849 m)33% O₂

Erforderliche Vorbereitung

Hochgebirge / technisch

Auf 8611 m, mit 32% verfügbarem Sauerstoff, steigt die wahrgenommene Anstrengung im Vergleich zum Meeresspiegel.

Wie Sie sich vorbereiten

  • Gelegentliches Training: Diese Höhe erfordert Bergsteigerfahrung und spezifische Vorbereitung.
  • Regelmäßiges Training: Planen Sie mehrere Tage progressive Akklimatisierung auf mittleren Höhen.
  • Ausdauertraining: Fitness allein ersetzt keine Akklimatisierung in diesen Höhen.
  • Konsultieren Sie einen Bergmedizin-Spezialisten vor der Abreise.

Route und Weg

3461 m
Höhenunterschied
12 km
Gesamtstrecke
7–12h (Lager IV → Gipfel); ~60 Tage (vollständige Expedition)
Aufstiegszeit
Juni – August
Beste Jahreszeit

Bergführer

Der Wilde Berg. Diesen Beinamen trägt der K2 seit Jahrzehnten — und er ist eben keine Übertreibung. Mit 8 611 Metern ist er der zweithöchste Berg der Erde, direkt auf der Grenze zwischen Pakistan und China im Karakorum. Oben stehen dir nur 32% des Sauerstoffs zur Verfügung, den du gerade atmest. Das reicht zum Überleben — doch eigentlich nicht zum Funktionieren. Hinzu kommt die objektive Gefährlichkeit: Die historische Todesrate der Gipfelbesteiger lag über 20%. Einer von fünf kam nicht zurück. Kein anderer Achttausender kommt auch nur annähernd an diese Zahlen heran.

Technische Daten

AngabeWert
Höhe8 611 m ü. M.
GebirgeKarakorum, Baltoro Muztagh
NamenK2, Chhogori, Mount Godwin-Austen
SchwierigkeitED+ — Extremes Bergsteigen, technisches Mischgelände auf der gesamten Route
Höhenunterschied vom BC3 461 m (Basislager 5 150 m → Gipfel 8 611 m)
Geschätzte Hin-/Rückweg-Distanz~12 km (Abruzzi-Sporn)
Zeit ab Lager IV7–12h (L4 → Gipfel)
Vollständige Expedition~60 Tage (mit Akklimatisierungsrotationen)
Beste SaisonJuni – August (Gipfelfenster: Juli)
AusgangspunktK2 Basislager Pakistan (5 150 m)
HochlagerL1 (6 050 m), L2 (6 700 m), L3 (7 400 m), L4 (7 600 m)

Route: Der Abruzzi-Sporn

Der Abruzzi-Sporn (Südostgrat) ist die Normalroute des K2 — rund 75% aller erfolgreichen Expeditionen nehmen diesen Weg. Erstmals begangen am 31. Juli 1954 von den Italienern Lino Lacedelli und Achille Compagnoni. Leichtes Gelände gibt es hier halt nicht. Jeder Abschnitt erfordert volle Konzentration.

Vom Basislager (5 150 m) bis Lager I (6 050 m) folgt man einer Abfolge von Felsgräten und Schneerampen — technisches Mischgelände von Anfang an. Zwischen L1 und L2 (6 700 m) wartet der House's Chimney auf ~6 350 m: ein senkrechter Felskamin mit Fixseilen, der mit vollem Expeditionsrucksack durchklettert werden muss. Eng, anspruchsvoll, unumgehbar.

Die nächste Schlüsselstelle ist die Schwarze Pyramide — 400 Meter dunklen Fels, gemischt mit Eis, bei 60° bis 75°. Das technisch längste und anspruchsvollste Stück der Route. Nach Lager III (7 400 m) und Lager IV (7 600 m) beginnt die Todeszone. Der entscheidende Abschnitt vor dem Gipfel ist der Flaschenhals (Bottleneck, ~8 300 m): ein Couloir direkt unter einem hängenden Serac, der mehr Todesopfer am K2 gefordert hat als jede andere Stelle. Schnell durch — kein Zögern.

Sauerstoff und Akklimatisierung

Auf 8 611 m fällt der Luftdruck auf rund 328 hPa — etwa 32% des Meeresspiegelniveaus. Jeder Atemzug liefert ein Drittel des gewohnten Sauerstoffs. Die typische SpO₂ am Gipfel liegt zwischen 50 und 65% bei akklimatisierten Bergsteigern mit Zusatzsauerstoff. Ohne Flasche kann sie unter 40% fallen.

Oberhalb von 8 000 m akklimatisiert sich der Körper nicht mehr — er baut ab. Das Ziel ist eigentlich simpel: rauf und runter, bevor der Abbau irreversibel wird. Das Standardprotokoll sieht 4 bis 5 Rotationen vor, immer nach dem Prinzip hoch gehen, tief schlafen. Zwischen den Rotationen immer zurück ins Basislager oder tiefer.

Schwere AMS-Symptome in dieser Höhe: anhaltende Kopfschmerzen, Erbrechen, Ataxie (taumelnder Gang), Verwirrtheit. Die Antwort ist immer dieselbe — sofort absteigen, ohne zu warten.

Hinweis: Diese Informationen sind allgemeiner Natur und ersetzen keinen medizinischen Rat. Konsultiere vor einer K2-Expedition einen Spezialisten für Höhenmedizin.

Vorbereitung

Der K2 ist kein Zwischenschritt. Er ist ein Endpunkt. Wer ohne mindestens einen Achttausender im Rucksack ans Basislager kommt, geht ein unverantwortliches Risiko ein. Cho Oyu (8 188 m) ist die häufigste Vorbereitung. Körperlich ist ein VO₂max ≥ 65 ml/kg/min erforderlich, dazu solide Technik auf Steileis und im Mischgelände bis 75°.

Wesentliche Ausrüstung: Expeditionsdaunenjacke für bis zu −50°C, Doppelschuhe für große Höhen, technische 12-Punkt-Steigeisen, Technischer Eispickel, Sauerstoffmaske und Regler (4–6 Flaschen à 6L für den Gipfelversuch), UKW-Funkgerät.

Die Kosten einer kommerziellen K2-Expedition liegen zwischen 25 000 und 60 000 USD, inklusive Pakistan-Gipfelgenehmigung.

K2 vs. Everest: Welcher ist wirklich gefährlicher?

Die kurze Antwort: der K2. Und es ist eben kein knapper Unterschied.

Die Gesamttodesrate des Everest liegt bei rund 1–2%. Die des K2 bei ~9,5% über die gesamte Geschichte — und vor 2000 war sie näher an 29%. Das heißt: Historisch gesehen starb etwa ein Bergsteiger für je drei bis vier, die den Gipfel erreichten. Auch in der modernen Ära, mit kommerziellen Expeditionen, Zusatzsauerstoff und besseren Wetterprognosen, tötet der K2 fünf- bis zehnmal häufiger als der Everest.

Warum? Drei Faktoren wirken zusammen. Die technische Schwierigkeit ist real: Der Abruzzi-Sporn umfasst Mischgelände-Abschnitte bis 75° — die Schwarze Pyramide, House's Chimney, der Flaschenhals — die auf der Normalroute des Everest schlicht nicht existieren. Das Wetter ist schlechter: Der K2 liegt weiter nördlich als die Hauptkette des Himalaya, direkt im Weg des Jetstreams. Sturmfenster sind kurz, schwer vorhersagbar und verschwinden schnell. Und die Rettungsinfrastruktur ist praktisch null: Hubschrauberoperationen oberhalb des Basislagers sind bei dieser Höhe und Lage kaum möglich.

Doch die Bilanz verbessert sich. 2022 wurde mit 200 Besteigungen bei nur 3 Todesfällen ein Rekord aufgestellt. Der Fortschritt ist real. Der grundlegende Gefahrencharakter des Berges — der Serac, das Wetter, das Gelände — hat sich halt nicht verändert.


Der Flaschenhals: die gefährlichsten 400 Meter am K2

Bei rund 8 300 m, etwa 300 Meter unterhalb des Gipfels, quert der Abruzzi-Sporn eine enge Rinne — 45–50° harter Eis — direkt unter einem riesigen hängenden Serac. Das ist der Flaschenhals. Und das ist eigentlich der Kern dessen, was den K2 ausmacht.

Das Problem ist nicht allein die Neigung. Es ist das, was über einem hängt. Der Serac — eine Gletschereismasse so groß wie ein mehrstöckiges Gebäude — ist strukturell instabil und kann ohne Vorwarnung zusammenbrechen. Man durchquert den Flaschenhals schnell, traversiert dann links auf hartem Eis zur Gipfelkante. Man stoppt nicht. Man wartet nicht. Man geht.

Die Katastrophe von 2008

Am 1. August 2008 versuchten 18 Bergsteiger verschiedener internationaler Teams den Gipfel über den Abruzzi-Sporn. Am Nachmittag brach ein großer Teil des Seracs über dem Flaschenhals weg, riss die Fixseile mit und schleuderte Trümmer den Couloir hinab. Teams, die nachts abstiegen — nach erschöpfenden Gipfelversuchen — fanden ihre Seile verschwunden und das Gelände vereister und desorientierender als beim Aufstieg.

Elf Bergsteiger starben. Es bleibt bis heute der verlustreichste Einzeltag in der Geschichte des K2. Unter den Toten: Dren Mandić (Serbien), Rolf Bae (Norwegen) und Jehan Baig (Pakistan). Das Chaos jener Nacht veränderte die Planung vieler Expeditionen: Die meisten versuchen seither, den Flaschenhals schon vor dem Nachmittag zu passieren und zu unterschreiten — denn die Tageshitze destabilisiert das Eis des Seracs.


Aufstieg ohne Zusatzsauerstoff: das echte Risiko

Die meisten Bergsteiger am K2 verwenden oberhalb von 8 000 m Zusatzsauerstoff. Nicht alle.

Eine Studie im Journal of Wilderness Medicine (zitiert vom American Alpine Club) ergab, dass die Sterblichkeitsrate beim Abstieg vom K2-Gipfel für Bergsteiger ohne Zusatzsauerstoff 18,8% betrug. Für jene mit Flasche: 0%. Das ist kein marginaler Unterschied — das ist der Unterschied zwischen einem beherrschbaren Risiko und fast jedem Fünften.

Was passiert physiologisch auf 8 611 m ohne Sauerstoff? Die SpO₂ fällt auf 40–50%. Das Urteilsvermögen verschlechtert sich erheblich. Koordination und Feinmotorik — genau das, was man braucht, um über den Flaschenhals-Quergang an Fixseilen abzusteigen — werden unzuverlässig. Der Körper verbrennt Muskelmasse als Treibstoff, weil die Verdauung ab 7 000 m nahezu aufhört. Und die Kälte — bis zu −40 °C am Gipfel selbst im Sommer — trifft hypoxische Bergsteiger viel härter.

Einige Elitekletternde haben den K2 ohne Sauerstoff bestiegen. Reinhold Messner war 1979 der Erste. In jüngerer Zeit schafften es Nirmal Purja und Kristin Harila im Rahmen ihrer 14-Gipfel-Rekorde. Das sind Bergsteiger mit jahrzehntelanger Hochgebirgserfahrung. Sie sind nicht der Maßstab für eine Standardexpedition.


Der K2 in Zahlen: 1954–2025

ZeitraumGipfelerfolgeTodeSterblichkeitsrate
1954–197621~50%
1977–19896523~35%
1990–19999724~25%
2000–2019~56036~6%
2020–2025~24014~6%
Gesamt~964~92~9,5%

Die Schlüsselmomente: Erstbegehung am 31. Juli 1954 (Compagnoni und Lacedelli) ; das "Black Summer" 1986 (13 Tote) ; die Katastrophe 2008 (11 Tote in einer Nacht) ; die erste Winterbesteigung am 16. Januar 2021 durch ein nepalesisches Team — weithin als eine der größten Leistungen des modernen Bergsteigens betrachtet ; und das Rekordjahr 2022 mit 200 Gipfelerfolgen.


Häufig gestellte Fragen

Wie viel Sauerstoff gibt es am K2-Gipfel?

Am Gipfel des K2 (8 611 m) beträgt der verfügbare Sauerstoff 32% des Meeresspiegelniveaus. Der Luftdruck sinkt auf etwa 328 hPa. Fast alle Bergsteiger verwenden oberhalb von 8 000 m Zusatzsauerstoff.

Was ist die Todeszone am K2?

Die Todeszone beginnt bei 8 000 m — etwa 600 m unterhalb des Gipfels. Darüber kann sich der menschliche Körper nicht mehr akklimatisieren — er baut ab. Jede dort verbrachte Stunde verbraucht Reserven, die auf dieser Höhe nicht zurückkommen. Die meisten Expeditionen versuchen, die Zeit in der Todeszone auf maximal zwei bis drei Tage zu begrenzen.

Wie viele Menschen haben den K2 bestiegen?

Stand 2025 haben etwa 964 Bergsteiger den Gipfel des K2 erreicht — deutlich weniger als am Everest (über 10 000 Besteigungen). Über 800 dieser Besteigungen fanden nach 2000 statt, als kommerzielle Expeditionen mit Fixseilen und Zusatzsauerstoff den Berg zugänglicher machten — wenn auch nicht sicher.

Wie hoch ist die Todesrate am K2?

Die Gesamtrate über die gesamte Geschichte (1954–2025) beträgt rund 9,5% — etwa 92 Tote bei ~964 Gipfelerfolgen. Vor 2000 lag sie bei knapp 29%. In den letzten Jahren sank sie auf 5–6% dank Zusatzsauerstoff, besserer Wettervorhersage und erfahrener kommerzieller Führung. Das ist immer noch fünf- bis zehnmal mehr als am Everest (~1–2%).

Ist der K2 schwieriger als der Everest?

Technisch ja. Der Abruzzi-Sporn umfasst Mischgelände bis 75°, das auf der Normalroute des Everest nicht existiert. Das Wetter ist schlechter, die Rettungsinfrastruktur oberhalb des Basislagers praktisch nicht vorhanden. Und der Flaschenhals unter dem hängenden Serac gehört objektiv zu den gefährlichsten Stellen im Höhenbergsteigen.

Wie lange dauert eine K2-Expedition?

Eine vollständige Expedition dauert 55 bis 70 Tage: Trek von Askole zum Basislager (~8–10 Tage), 4–5 Akklimatisierungsrotationen (4–6 Wochen), dann der Gipfelversuch. Ein zuverlässiger Schnellaufstieg ist am K2 nicht möglich.

Warum heißt der K2 „der Wilde Berg"?

Der Ausdruck stammt vom amerikanischen Bergsteiger George Bell, der 1953 ohne Gipfel zurückkehrte und Journalisten sagte: „Es ist ein wilder Berg, der einen töten will." Der Name blieb — denn er passt. Der K2 bietet weder das breite Gipfelplateau noch die überfüllten Fixseilautobahnen des Everest. Jede Route verlangt echtes Klettern, auf wirklich gefährlichem Gelände.

Was war das verlustreichste Jahr am K2?

1986, der „Black Summer". Siebenundzwanzig Bergsteiger erreichten den Gipfel — damals ein Rekord — und 13 starben. 2008 brachte die schlimmste einzelne Katastrophe: ein Seraceinbruch am Flaschenhals tötete 11 Bergsteiger in einer einzigen Nacht.

Wurde der K2 jemals im Winter bestiegen?

Ja — einmal. Am 16. Januar 2021 erreichte ein zehnköpfiges nepalesisches Team als erstes überhaupt den Gipfel des K2 im Winter. Es hatte über dreißig Jahre Versuche gebraucht. Wintertemperaturen fallen unter −60 °C, der Jetstream trifft den Berg direkt. Das Team — darunter Nirmal Purja und Mingma Gyalje Sherpa — sang gemeinsam die nepalesische Nationalhymne nahe des Gipfels. Es gilt weithin als eine der größten Leistungen des modernen Alpinismus.