Hinku-Tal, Solukhumbu, Nepal
Auf 6476 m, mit 44% verfügbarem Sauerstoff, steigt die wahrgenommene Anstrengung im Vergleich zum Meeresspiegel.
Das Hinku-Tal ist halt eines der stillsten Täler im Khumbu-Gebiet. Kein Everest-Basislager-Trubel, keine organisierten Gruppen auf demselben Pfad. Der Mera Peak, auf 6476 Metern, liegt genau hier — Nepals offiziell höchster registrierter Trekkingberg der Nepal Mountaineering Association. Am Gipfel beträgt der Sauerstoff 44% von dem, was du gerade atmest. An klaren Tagen siehst du von oben fünf Achttausender gleichzeitig: Everest, Kangchenjunga, Lhotse, Makalu und Cho Oyu. Das ist eben kein Panoramafoto — das ist die eigentliche Lektion des Mera Peak.
Der Berg hat drei Gipfel: Mera North (6476 m) ist der höchste Punkt, Mera Central (6461 m) das Ziel der meisten Bergsteiger, Mera South (6065 m) wird selten extra angesteuert. Die Erstbegehung von Mera Central gelang am 20. Mai 1953 — in derselben Woche wie die Everest-Erstbesteigung — durch Colonel J.O.M. Roberts und Sen Tenzing. Die Normalroute ist mit F/PD− bewertet. Neigungen bis maximal 50°, kein Fixseil-Abschnitt wie am Island Peak. Die eigentliche Hürde ist die Höhe — und die nimmt dich doch ernst, wenn du es nicht tust.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Höhe | 6476 m ü. M. (Mera North); Mera Central 6461 m |
| Gebirge | Mahalangur-Himalaya — Hinku-Tal, Solukhumbu |
| Land | Nepal |
| Schwierigkeit | F/PD− — Gletscher mit Neigungen bis 50° |
| Höhenunterschied ab Basis | ~1476 m (Khare ~5000 m → Gipfel 6476 m) |
| Aufstiegszeit | 2 Tage ab Khare: 6–8h + 5–7h zum Gipfel |
| Ausgangspunkt | Khare (Mera Basislager, ~5000 m) |
| Hochlager | ~5800 m |
| Sauerstoff am Gipfel | 44% des Meeresspiegels |
| Typische SpO₂ am Gipfel | 65–75% (akklimatisierte Bergsteiger) |
| NMA-Genehmigung | Pflicht |
| Beste Saison | April–Mai; Oktober–November |
Ausgangspunkt ist ein Flug nach Lukla (2860 m), gefolgt von einem 7–9-tägigen Zustieg durch das Hinku-Tal bis nach Khare (~5000 m). Unterwegs überquert man den Zatrwa-La-Pass (4610 m) und durchquert Dörfer wie Kothe und Thagnag. Dieser Zustieg ist doch keine Zeitverschwendung — er ist die eigentliche Akklimatisation.
~5000 m → 5415 m → ~5800 m | Höhenunterschied: ~800 m | Zeit: 6–8h
Ab Khare geht es zum Mera La (5415 m), dem Gletscherpass auf der Nordseite. Ab hier kommen Steigeisen an die Schuhe. Das Hochlager liegt bei etwa 5800 m auf einer Schneeterrasse. Abmarsch vor dem Morgengrauen.
~5800 m → 6476 m | Höhenunterschied: ~676 m | Zeit: 5–7h
Der Gipfelaufstieg führt über offenen Gletscher mit zunehmend steileren Passagen. Der finale Abschnitt zum Gipfeldom von Mera North erreicht 50°. Eispickel die ganze Zeit in der Hand. Vom Gipfel liegt das Tibetplateau im Norden, das Hinku-Tal 3000 Meter tiefer.
Auf 6476 m beträgt der Luftdruck rund 450 hPa — 44% des Meeresspiegels. Jeder Atemzug bringt weniger als die Hälfte des gewohnten Sauerstoffs. Der Ruhepuls steigt in den ersten 48 Stunden auf einer neuen Höhe um 10–20 Schläge pro Minute — eigentlich normal. Was nicht normal ist: Kopfschmerzen, die sich verschlimmern, Übelkeit, Koordinationsverlust. Auf dieser Höhe wartet man nicht — man steigt ab.
Nahezu alle Bergsteiger besteigen den Mera Peak ohne Zusatzsauerstoff. Bei guter Akklimatisation liegt die SpO₂ am Gipfel typischerweise zwischen 65 und 75%. Das AMS-Risiko ist als hoch eingestuft. Die Grundregel gilt absolut: nicht mehr als 500 Höhenmeter pro Tag über 3000 m, ohne mindestens eine Ruhennacht auf der neuen Höhe.
Ausdauer geht vor Technik — aber Technik ist Pflicht. Auf Gletscher mit Steigeisen gehen, Eispickel zum Bremsen einsetzen, im Seil gehen: das sind keine Extras, das sind Grundvoraussetzungen. Steigeisen das erste Mal auf 5500 m anlegen ist keine Lösung. Ein NMA-zertifizierter Bergführer ist gesetzlich vorgeschrieben und praktisch unverzichtbar.
Wesentliche Ausrüstung: 12-Zacken-Steigeisen, technischer Eispickel, Hochgebirgsstiefel (Doppelschuhe empfohlen), Expeditionsdaunenjacke (Temperaturen bis −20°C am Gipfel), Gletscherbrille Kategorie 4, Gurtsystem und Karabiner, Stirnlampe mit Ersatzbatterien, tragbares Pulsoximeter.
Am Gipfel des Mera Peak (6476 m) beträgt der verfügbare Sauerstoff 44% des Meeresspiegels. Der Luftdruck sinkt auf etwa 450 hPa gegenüber 1013 hPa auf Meereshöhe. Nahezu alle Bergsteiger erreichen den Gipfel ohne Zusatzsauerstoff.
Ja — mit einem historischen Vorbehalt. Der Mera Peak wurde lange mit 6654 m angegeben: diese Höhe gehört tatsächlich zum Peak 41, einem benachbarten Gipfel, der in einer offiziellen Liste fälschlicherweise als "Mera" eingetragen wurde. Die korrekte Höhe des Mera Peak (Mera North) ist 6476 m, bestätigt durch die Nepal Mountaineering Association.
Beide sind Trekkingberge im Khumbu. Der Mera Peak (6476 m) ist höher und weniger technisch — hauptsächlich offener Gletscher mit moderaten Neigungen. Der Island Peak (6189 m) ist niedriger, aber technisch anspruchsvoller mit einem Fixseil-Eisabschnitt. Mera Peak eignet sich für alle, die hoch hinauswollen mit weniger technischer Herausforderung; Island Peak für eine echte Einführung ins Gletscherbergsteigen.
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