Zoldo-Dolomiten, Belluno, Venetien, Italien
Auf 3168 m, mit 68% verfügbarem Sauerstoff, steigt die wahrgenommene Anstrengung im Vergleich zum Meeresspiegel.
Der Monte Pelmo erhebt sich auf 3168 Meter wie ein Steinthron über dem Zoldotal und dem Val Fiorentina. Isoliert, kompakt, unverwechselbar — du erkennst ihn von weitem zwischen allen Dolomitenmassiven, weil er einem riesigen Sockel ähnelt, mit senkrechten Wänden auf fast allen Seiten. Am 19. September 1857 stieg der Engländer John Ball — der spätere erste Präsident des Alpine Club — als Erster hinauf. Der erste große Dolomitenipfel überhaupt. Damit begann die Geschichte des Dolomiten-Alpinismus. Auf 3168m beträgt der Sauerstoffgehalt der Luft 68% des Meeresspiegels — das merkt man halt eben in den letzten Stunden eines langen Tages.
| Eigenschaft | Detail |
|---|---|
| Höhe | 3168 m ü. M. |
| GPS-Koordinaten | 46.4148°N, 12.1356°E |
| Lage | Zoldo-Dolomiten, Belluno, Venetien, Italien |
| Erstbesteigung | 19. September 1857, John Ball |
| Schwierigkeit | EEA — UIAA II (Cengia di Ball, Passo del Gatto) |
| Verfügbarer Sauerstoff | 68 % des Meeresspiegels |
| Typische Gipfel-SpO₂ | 90–94 % (gesunder Bergsteiger) |
| AMS-Risiko | Gering |
| Höhenunterschied | 1403 m (vom Passo Staulanza) |
| Aufstiegszeit | 6–7h vom Passo Staulanza |
| Distanz Hin-/Rückweg | ~15 km |
| Beste Jahreszeit | Juli–Oktober |
| Ausgangspunkt | Passo Staulanza (1765 m) |
| Berghütte | Rifugio Venezia (1946 m) |
Der Normalweg beginnt am Passo Staulanza (1765m), einem Gebirgspass zwischen Zoldotal und Val Fiorentina. Von dort folgt man dem Weg Nr. 480 Richtung Osten — erst durch Wald, dann über offene Hochweiden — bis zur Rifugio Venezia (1946m) nach ungefähr 2 Stunden. Das ist die einzige Übernachtungsmöglichkeit auf der Route. Wer von hier im Morgengrauen aufbricht, ist gut beraten.
Vom Refuge geht es nordwestlich auf dem Weg 480 weiter, zuerst durch Latschen, dann über Schuttgelände. Bei etwa 2100m beginnt die Cengia di Ball — das Querband, das die Erstbesteigung von 1857 berühmt gemacht hat und noch heute das Herzstück des Normalwegs ist.
Die Cengia di Ball ist ein luftiges Felsband, das in die Basis des Pelmo eingeschnitten ist. Man quert es von Ost nach West auf fast 900 Metern, in leichtem Anstieg auf felsig-schuttigen Absätzen, über senkrechten Wänden. Der Schlüsselpassus ist der Passo del Gatto — ein Felsvorsprung, den Ball auf Händen und Knien durchkriechen musste. Man kann ihn doch auch außen herum umgehen: ein ausgesetzter Schritt im zweiten Grad UIAA. Keine Klettersteig-Versicherung mit Seil an jeder Ecke — es gibt Haken zur Sicherung an den schwierigsten Stellen, aber Balance und Schwindelfreiheit sind eben unerlässlich.
Hinter der Cengia betritt man den Vant, ein gewaltiges Schuttamphitheater zwischen den Ost- und Südschultern des Pelmo. Der Charakter ändert sich komplett: keine exponierten Querungen mehr, dafür endloser Schutt. Man steigt in Serpentinen bis auf etwa 2700m, dann öffnet eine letzte Felsrippe (mit Steinmännern markiert) das obere Kar. Bei rund 3000m erreicht man den Westgrat — und sieht erstmals den Pelmetto beinahe auf gleicher Höhe, nur durch die schmale Scharte der Fisura getrennt. Dann Gipfelgrat Richtung Nord-Nordost, teils unter dem Grat, teils auf ihm, mit einem erschreckenden Blick auf die Nordwand. Der Gipfel (3168m) folgt.
Der Abstieg erfolgt auf dem gleichen Weg in 3–4 Stunden.
Auf 3168m liefert jeder Atemzug 68 % des Sauerstoffs vom Meeresspiegel. Für gesunde Bergsteiger braucht es hier eigentlich keine formelle Akklimatisierung. Aber der Tag ist lang. Sechs, sieben Stunden auf abwechslungsreichem Gelände, die Cengia fordert Konzentration, der Vant kostet die Beine. Bei 68 % Sauerstoff verlangsamt sich die Erholung zwischen den Anstrengungen — das spürt man doch erst in den letzten Stunden, wenn die Schutthalden kein Ende zu nehmen scheinen.
Die Ruheherzfrequenz kann in den ersten Stunden über 2000 Metern um 10–15 Schläge pro Minute steigen. Das ist normal. Wer schnell aus dem Tal aufgestiegen ist, ohne eine Nacht in der Höhe zu verbringen, merkt das mehr als jemand, der die Nacht in der Rifugio Venezia verbracht hat.
Das AMS-Risiko ist gering auf 3168m für gesunde Bergsteiger. Leichte Kopfschmerzen oder übermäßige Erschöpfung können im letzten Abschnitt auftreten — das lässt sich mit langsamem Tempo und ausreichend Wasser handhaben. Wenn die Symptome sich trotz Pause verschlimmern, geht man eben runter.
Typische Gipfel-SpO₂ liegt zwischen 90 % und 94 % bei gesunden Bergsteigern. Unter 85 % mit anhaltenden Kopfschmerzen, Übelkeit oder Verwirrung: sofortiger Abstieg.
Der Pelmo ist kein ausgebauter Klettersteig. Keine Fixseile — ein exponiertes Felsband, ein Kletterschritt im zweiten Grad, endloser Schutt. Wer schon die Civetta oder den Antelao kennt, erkennt den alpinen Charakter — aber ohne Klettersteig-Sicherung.
Grundausrüstung: steife Bergschuhe, wasserdichtes Schichtensystem, Handschuhe, Helm (Steinschlaggefahr im Vant), 30m-Seil mit einigen Schlingen für eine Seilschaft.
Wasser: keine Quellen nach der Rifugio Venezia. Mindestens 2 Liter von der Hütte mitführen.
Jahreszeit: Juli bis Oktober, wenn die Cengia schneefrei ist. Die Rifugio Venezia öffnet von Ende Juni bis September–Oktober.
Auf 3168m beträgt der verfügbare Sauerstoff 68 % des Meeresspiegels, bei einem Luftdruck von etwa 697 hPa. Keine formelle Akklimatisierung notwendig, aber die wahrgenommene Anstrengung über einen langen Alpintag liegt deutlich über dem Vergleichswert auf Meeresniveau.
Nein. Die Cengia di Ball ist ein knapp einen Kilometer langer, ungesicherter Abschnitt über senkrechten Wänden mit einem Schlüsselpassus im zweiten Grad UIAA. Erfahrung auf exponiertem, ungesichertem alpinen Gelände ist unabdingbar.
Vom Passo Staulanza (1765m) rechnet man 6–7 Stunden bis zum Gipfel: 2 Stunden zur Rifugio Venezia, dann 4–5 Stunden über Cengia, Vant und Gipfelgrat. Der Abstieg dauert 3–4 Stunden auf gleichem Weg. Viele Bergsteiger übernachten in der Rifugio Venezia und starten im Morgengrauen.
Das Risiko ist gering bei 3168m für gesunde Personen. Leichte Kopfschmerzen oder Erschöpfung können im letzten Abschnitt auftreten — mit Hydration und langsamem Tempo gut zu handhaben. Bei zunehmenden Symptomen: Abstieg.
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