Wallis, Schweiz
Auf 4017 m, mit 61% verfügbarem Sauerstoff, steigt die wahrgenommene Anstrengung im Vergleich zum Meeresspiegel.
Der Weissmies steht auf 4017 Metern. Früher waren es 4023 — das Gipfeleis ist halt geschmolzen, die Karten wurden aktualisiert. Sechs Meter weniger. Für einen Viertausender im Wallis ist das eigentlich eine kleine Zahl, aber sie erzählt eben doch etwas über den Zustand der Hochalpen.
Was ihn wirklich besonders macht: Er ist ein echter Tagestour-Viertausender. Die Seilbahn von Saas-Grund fährt bis Hohsaas auf 3100 Meter — von dort sind es 917 Höhenmeter Gletscher bis zum Gipfel. Für Schweizer Verhältnisse ein außergewöhnlich direkter Zugang. Das macht ihn zu einem der populärsten Viertausender der Region — und doch unterschätzen ihn viele.
Auf 4017 Metern atmest du 61% des Sauerstoffs, den du im Tal hast. Du spürst es. Wer gut akklimatisiert ist und das Tempo kontrolliert, kommt problemlos durch. Wer ohne Gletschererfahrung und mit falschen Erwartungen kommt, schon weniger.
| Merkmal | Detail |
|---|---|
| Höhe | 4017m |
| GPS-Koordinaten | 46.1278°N, 8.0119°E |
| Verfügbarer Sauerstoff | 61% gegenüber Meereshöhe |
| Ausgangspunkt | Hohsaas, Saas-Grund (3100m) |
| Höhenmeter | 917m |
| Streckenlänge (hin und zurück) | 6,15 km |
| Aufstiegszeit | 3h30'–4h ab Hohsaas |
| Schwierigkeit | WS (SAC) / PD (UIAA) |
| Beste Saison | Juli–September |
| GPX verfügbar | Nein |
Von der Bergstation Hohsaas (3100m) geht es kurz bergab auf einem Schotterweg bis zum unteren Teil des Triftgletschers (ca. 3120m). Hier beginnt der Gletscheraufstieg: Steigeisen anlegen, einseilen.
Der erste Abschnitt quert ein Plateau, das dem Seracabbruch von oben ausgesetzt ist. Diese Zone muss zügig durchquert werden — nicht anhalten, nicht warten. Ein früher Start mit der ersten Gondel (gegen 7:00 Uhr) ist deshalb eben keine Empfehlung, sondern echte Sicherheitspraxis. Danach öffnet sich das Gelände. Eine deutliche Aufstiegsspur führt zur Gipfelkante — Vorsicht vor Schneewächten links.
Der Schlussanstieg ist steil, bis zu 40°. SAC-Schwierigkeit WS — wenig schwierig. Das bedeutet: machbar für Erfahrene in guten Verhältnissen, anspruchsvoll für alle anderen. Das Trifteis hat sich in den letzten Jahren stark verändert: mehr Spalten, unberechenbarere Passagen nach dem Kollaps massiver Serakzonen 2017/2018. Aktuelle Bedingungen immer vor der Tour auf dem SAC-Tourenportal prüfen.
Abstieg: gleiche Route.
Notwendige Ausrüstung: Pickel, 10-Punkt-Steigeisen (12-Punkt bevorzugt), Gurt, Seil (mind. 30m), Mehrlagenbekleidung, UV-4-Gletscherbrille, Sonnencreme SPF 50+.
Bei 4017m liegt der Luftdruck bei etwa 62% des Meeresspiegelwerts. Der Sauerstoffgehalt der Luft bleibt konstant bei 21% — was sich ändert, ist die Luftdichte. Jeder Atemzug liefert weniger.
Die SpO2 akklimatisierter Bergsteiger liegt typischerweise zwischen 88 und 92%. Das Risiko der akuten Höhenkrankheit (AMS) ist moderat — hauptsächlich bei zu schnellem Aufstieg oder unzureichender Flüssigkeitszufuhr. Ruhepuls steigt um 10–20 Schläge pro Minute in den ersten Stunden. Das ist normal. Ataxie oder Verwirrtheit sind es nicht — in dem Fall sofort absteigen.
Eine spezielle Vorab-Akklimatisation ist für eine Tagestour ab Hohsaas nicht zwingend nötig. Gib dem Körper die erste Stunde auf dem Gletscher, um anzukommen: langsam ansteigen, Rhythmus finden. Und trinken — in der Höhe kommt der Durst bekanntlich zu spät. Mindestens zwei Liter für den Gipfeltag.
Die Normalroute ist durchgehend Gletscherterrain. Voraussetzungen: Erfahrung in Steigeisen, gesichertes Gehen am kurzen Seil, Beherrschung des Pickels. Wer zum ersten Mal auf einem Hochgebirgsgletscher unterwegs ist, sollte einen IFMGA-zertifizierten Bergführer aus Saas-Fee mitnehmen.
Juli und August sind die besten Monate — der Gletscher stabiler, die Spur gut ausgeprägt. Im September: mehr Spalten, variablere Verhältnisse. Vor Juli unbedingt mit lokalen Führern oder dem SAC Kontakt aufnehmen.
Ja — und das ist eigentlich sein größtes Alleinstellungsmerkmal unter den Schweizer Viertausendern. Mit der ersten Gondel ab Saas-Grund (ca. 7:00 Uhr) bist du pünktlich am Gletscherstart. Aufstieg 3,5–4 Stunden, Abstieg ca. 2–2,5 Stunden. Voraussetzung: Gletschererfahrung und vollständige Ausrüstung.
Nicht vorgeschrieben — aber für alle, die zum ersten Mal auf einem hochalpinen Gletscher unterwegs sind, sehr zu empfehlen. Der Trift Glacier hat sich verändert und kann im Routenfinden tückisch sein. Die Bergführer von Saas-Fee kennen die aktuellen Verhältnisse besser als jede Karte.
Bei dieser Höhe entwickeln die meisten gesunden Bergsteiger ohne spezifische Risikofaktoren keine schweren Symptome. Gefahren: zu schneller Aufstieg, Dehydration, Übermüdung. Der Oxymeter-Rechner schätzt deine erwartete Sauerstoffsättigung auf Basis dieser Höhe — sinnvoll, das vor der Tour einmal anzuschauen.
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