Bergamasker Alpen, Italien
Auf 2521 m, mit 75% verfügbarem Sauerstoff, steigt die wahrgenommene Anstrengung im Vergleich zum Meeresspiegel.
Die Königin der Orobie. Ein unglaubliches Kalksteinmassiv, das an einen in das Seriana-Tal bei Bergamo verpflanzten Dolomiten-Außenposten erinnert. Ihre Abbrüche bieten ein grandioses Ziel für Wanderer, die fest entschlossen sind, sich an einem rauen Hochgebirgsumfeld zu erproben, bevor sie ernsthaft die 3000-Meter-Marke anpeilen.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Höhe | 2521 m ü.M. |
| Gebirgsgruppe | Bergamasker Alpen (Presolana-Massiv) |
| Schwierigkeit | EE (Erfahrene Bergwanderer) |
| Gesamthöhenunterschied | ~1224 m (vom Passo della Presolana, 1297 m) |
| Aufstiegszeit | 3–4 Stunden vom Passo della Presolana |
| Empfohlene Saison | Juni – Oktober |
| Ausgangspunkt | Passo della Presolana (1297 m), Parkplätze bei Donico |
| Stützpunkthütte | Baita Cassinelli (1568 m); Rifugio Albani (1939 m) an der Nordwand |
Auf 2521 Metern zu wandern bedeutet, etwa 75 % des Sauerstoffs einzuatmen, der auf Meereshöhe verfügbar ist. In dieser mittleren Höhe ist die schwere Höhenkrankheit so gut wie inexistent, aber die Erschöpfung wird dennoch keine Gnade walten lassen. Auf dem berüchtigten letzten Geröllfeld vor den Graten werden deine Lungen verzweifelt nach Sauerstoff gieren und dein Puls wird unnatürlich in die Höhe schnellen.
Die Strategie hierbei ist, sich nicht gleich zu Beginn zu verbrennen. Das Gehtempo muss schon vom Waldgebiet an wohldosiert sein und mit einer rhythmischen Atmung einhergehen. Trinke bei jeder Pause reichlich und ohne zu zögern; die trockene Luft der Presolana ist trügerisch. Für viele ist dieser Aufstieg genau der perfekte Härtetest in Sachen Sauerstoff, bevor lange Exkursionen oberhalb von 3500 Metern ins Auge gefasst werden.
Der Zustieg zum Geröllfeld Der bequeme Ausgangspunkt liegt am Passo della Presolana (1297 m). Du schlägst den Waldpfad entlang der Markierungen ein und arbeitest dich bei flottem Tempo in knappen fünfundsiebzig Minuten hinauf zur Baita Cassinelli. Hier flacht der Weg kurzzeitig ab – eine trügerische Erholung vor dem eigentlichen Beinbrecher.
Das Reich des Kalksteins Nach der wärmenden Einarbeitungsphase geht es steil bergan zur Cappella Savina, wo man unweigerlich in das endlose Geröllfeld eintaucht, das zur Grotta dei Pagani (~2240 m) führt. Fünfzig Minuten unbarmherziger Strapaze, in denen du für jeden Schritt nach vorn oft wieder einen halben Schritt zurückrutschst.
Von der Höhle an beginnt dann der eigentliche Spaß in Richtung des Westgipfels (2521 m). Eine Serie von scharfkantigen Kalkstein-Kletterpassagen im I. und II. Grad übernimmt die Regie. Das stark exponierte Gelände wird all jene hart schlucken lassen, die an Höhenangst leiden. Wer den kleinen, aber gnädigerweise mit einer Haltekette ausgestatteten Verschneidungsabschnitt überwunden hat, kann sich auf entspannte piętnaście finale Minuten über den schmalen Himmelsgrat freuen. Denke beim Gipfelerfolg stets daran, deine Nervenreserven auch für den mühseligen Abstieg gut einzuteilen.
Der perfekte Kandidat ist ein Wanderer mit elastischem Schritt und einem Magen, der ans absolute Vakuum gewöhnt ist. Der Fels sollte nicht als Hindernis betrachtet werden, sondern als integraler Bestandteil des Aufstiegserlebnisses.
| Ausgangsniveau | Vorbereitungszeit | Schlüsselphasen |
|---|---|---|
| Gewohnter "Sonntagswanderer" | 2–3 Monate | Regelmäßige Erhöhung der Höhenunterschiede auf steilen Neigungen und bröckligen Pfaden. |
| Erfahrener Bergwanderer | Fortlaufend | Beibehaltung der Vertrautheit mit unsicheren Tritten und Sicherungsketten. |
Körperlich benötigst du kräftige Oberschenkelmuskeln. Über 1200 Höhenmeter auf engstem Raum, fast ausschließlich im Schutt des Gipfelgeröllfelds konzentriert, brennen deine Oberschenkel restlos aus, wenn du derartige Beanspruchungen nicht gewohnt bist. Neben Beinkraft bedarf es der Zugkraft in den Armen und einer exzellenten Rumpfpropriozeption: An den Kettenpassagen ist ein Gewichtsverlagerung nach hinten gefragt, ohne dass man sich unverhältnismäßig daran festklammert.
Clever gekleidet zu sein und über die erforderliche Selbstsicherungsausrüstung zu verfügen, entscheidet oftmals über genossenes Abenteuer oder nervenaufreibenden Albtraum.
Unverzichtbar:
Empfohlen:
Juli bis September. Keine Kompromisse. Sobald der Kalkstein der Presolana nass oder – schlimmer noch – von spätsommerlichem Griesel überzogen ist, verwandelt er sich in reinstes, unbezwingbares Kristall. Ein von Gewitterwolken glänzend freier Vormittag ist zwingend geboten.
Das blütenweiße Symbol des CAI Bergamo. Schon seit 1870 in aller Munde. Erwähnenswerte riesige Nordwände und eben jener Aufstiegspfad, unter deinen Fußsohlen, sind wahre historische Geburtsstätten des extremen, lombardischen Alpinismus. Obgleich abertausende Male erstiegen, verlangt die Königin jenen zutiefst gefühlten Respekt ab, der jeder Kathedrale angemessen zu zollen ist.
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